Thu. Dec 8th, 2022

Stark gestiegene Baukosten und lange Genehmigungsverfahren machen der Wohnungswirtschaft in Schleswig-Holstein zu schaffen. “Seit dem Jahr 2000 sind die Kosten für Bauen, Modernisierung und Instandhaltung mehr als doppelt so stark gestiegen wie die allgemeine Teuerung”, sagte der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner, der Deutschen Presse-Agentur. Dies wirke sich zeitversetzt auf die Wohnkosten aus. So habe der Bau eines Quadratmeters Wohnfläche – ohne Grundstück – vor sechs, sieben Jahren 2000 Euro brutto gekostet. “Aktuell sind wir bei 4000 und mehr.” Dies erfordere Mieten zwischen 13 und 15 Euro pro Quadratmeter für Neubauten.

In Kiel zum Beispiel sei die durchschnittliche Nettokaltmiete laut Mietspiegel von 2000 bis 2014 sogar mindestens auf 5,78 Euro pro Quadratmeter gesunken, sagte Breitner. Inzwischen seien 7,55 Euro. Die durchschnittliche Mietbelastungsquote liegt aber noch unter 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. “Das goldene als bezahlbar.”

Die Zahl der durchschnittlich in einer Wohnung lebenden Menschen sank laut VNW binnen 20 Jahren kontinuierlich auf 1.9. Zugleich wuchs die durchschnittliche Wohnfläche von unter 86 auf fast 94 Quadratmeter. Betroffen von Mietsteigerungen sind laut Breitner in allererster Linie Neuvermietungen. Wer seit vielen Jahren in einer Wohnung lebt, den trifft es weniger.

Erfreulicherweise werde seit Jahren wieder mehr gebaut, sagte Breitner. Die Zahl der Genehmigungen von 2011 bis 2020 um gut 7000 auf 16 600 und die der Fertigstellungen von 8200 auf 14 100. Außerdem bitte es wegen fehlender Baukapazitäten einen Überhang von zwei Jahresleistungen: So seien 26 400 neue Marktkommentare.

Trotz der Fortschritte sei es oft schwierig für die Branche, sagte Breitner. Wolle ein Unternehmen Wohnungen neu bauen, sei das ein langwieriges Unterfangen: “Man benötigt ein Grundstück, die Baugenehmigungsverfahren sind sehr lang und die Baukosten sehr hoch”. Oft gebe es auch Widerstand in der Nachbarschaft. “Das führt dazu, dass die Schaffung von neuem Wohnraum viel Zeit braucht.”

Wo sehr viele Menschen leben wollen, entspreche das Angebot oft nicht der Nachfrage, sagte Breitner. “Das gilt für den Hamburger Rand, die Universitätsstädte und die Küstenregionen.” Das kann zu steigenden Mieten führen, auch weil schnelle Abhilfe oft nicht zu erwarten sei.

VNW-Unternehmen – in Schleswig-Holstein sind das 87 – seien als “soziale Vermieter” nicht an der Erwirtschaftung einer Maximalrendite interessiert und versucht, mit Quersubsidventionen Mieten in Neubauten im Rahmen zu halten, sagte Breitner. Am Ende aber lasse sich nicht alles ausgleichen.

Angesichts der hohen Baukosten fallen auch zu oft die Entscheidung gegen einen Neubau. “Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen pass oft nicht mehr, und die benötigte Miete wäre zu hoch.” Da stiegen “soziale Vermieter” aus. “Sie wollen bezahlbar vermieten.”

Negativ wirke sich auch aus, dass die für die Baulandentwicklung und die Baugenehmigungen zuständigen Kommunen ebenso Personal abgebaut hätten wie Baufirmen. Aber das Neubautempo sei nicht allein für eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt entscheidend, sagte Breitner. „Genauso wichtig ist, welche Art von Wohnungsbau an welcher Stelle realisiert wird – mit immer neuen Einfamilienhaussiedlungen im ländlichen Raum lassen sich die Wohnungsmarktprobleme nicht lösen.“

Die Landesregierung steht wie ihre Vorgängerinnen im Großen und Ganzen für eine verlässliche Wohnungspolitik, sagte der VNW-Chef. Am wichtigsten sei Kontinuität: “Die Unternehmen Entscheidungen treffen, die auch in fünf, sechs Jahrhunderte noch richtig sein müssen – etwa bei der Standortwahl für Neubauten”. Zudem komme es auf Pragmatismus und Verlässlichkeit an. Auch müssten Klimaschutz und bezahlbares Wohnen zusammen gedacht werden. „Es geht nicht nur darum, CO2-Emissionen zu reduzieren – dies muss so getan werden, dass die Menschen auch morgen und übermorgen ihre Miete noch bezahlen können.“

Außerdem müsste die Politik kostensensibel sein, sagte Breitner. Nicht alles politisch Wünschenswerte sei auch bezahlbar. “Man kann nicht auf einer Seite bezahlbares Wohnen erwarten und auf der anderen sich regelmäßig neue, teure Anforderungen ausdenken, zum Beispiel für eine Verschärfung der Energiestandards oder eine Photovoltaikpflicht.”

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