Sat. Nov 26th, 2022

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat konkrete Konsequenzen aus dem Münchner Gutachten zum Missbrauch in der katholischen Kirche gefordert. „Wir sehen heute deutlich, dass Verantwortung übernommen werden müssen – und Verantwortung ist immer persönlich“, sagte er am Donnerstagabend in einem „ZDF Spezial“. Dazu gehörte, „dass sich auch der Vatikan, dass sich auch Papst Benedikt dazu verhält“.

Ein am Donnerstag vorgestelltes neues Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising erhebt schwere Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe – so aufgestellt es die vom Bistum beauftragte Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) – in seiner Zeit als Münchner Erzbischof Missbrauchstäter „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ wissentlich in der Seelsorge eingesetzt und darüber die Unwahrheit gesagt. In vier Fällen werfen ihm die Gutachter Fehlverhalten vor.

Dabei geht es normalerweise auch um einen Priester, der in den 70er Jahren, vor seiner Versetzung nach Bayern, schon in Bottrop und Essen Jungen sexuall missbraucht und das auch an seiner neuen Wirkungsstätte haben soll. Betroffene riefen gemeinsam mit Kirchenkritikern und einer Humanisten-Stiftung für diesen Freitagnachmittag zu einem stillen Protest vor dem Essener Dom auf.

Laut Münchner Gutachten sind mindestens 497 Kinder und Jugendliche zwischen 1945 und 2019 in dem katholischen Bistum von Priestern, Diakonen oder anderen Mitarbeitern der Sexualkirche missbraucht worden. Mindestens 235 mutmaßliche Täter gab es laut der Anwaltskanzlei – darunter 173 Priester und 9 Diakone. 40 Kleriker seien auch nach Missbrauchsfällen weiterhin in der Seelsorge tätig gewesen bzw. sei dies geduldet worden.

Im Herbst werde ein vom Bistum Essen beauftragtes Forschungsinstitut eine Studie vorstellen, „die mit einem sozialwissenschaftlichen Fokus die Missbrauchsfälle im Ruhrbistum aufarbeitet und dabei auch den gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext einbezieht“, teilte das Generalvikariat in Essen mit.

Das Institut hat seit März 2020 Zugang zu allen Akten, die die Missbrauchsfälle in der Bistumsgeschichte betreffen und führen Interviews mit Verantwortlichen, Betroffenen und weiteren Zeitzeugen im Bistum und den betroffenen Gemeinden. „Dabei geht es besonders um die Frage, welche Strukturen, Verhaltensmuster und Fehler von Verantwortlichen sexualisierte Gewalt in kirchlichen Einrichtungen der Diözese beteiligt haben.“

Eine juristische Untersuchung aller Personalakten der noch lebenden Geistlichen zu möglichen Vorwürfen oder Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs hatte das Ruhrbistum bereits 2012 bei einer Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag gegeben und die Ergebnisse 2017 vorgestellt.

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