Fri. Feb 3rd, 2023

Der Tod von Thich Nhat Hanh ist aus Sicht des Religionswissenschaftlers Perry Schmidt-Leukel “nicht nur ein Verlust für den Buddhismus, sondern für die Menschheit.” Der Zen-Meister sei neben dem Dalai Lama „einer der bedeutsamsten buddhistischer Spiritualität im Westen“, sagte der Experte von der Uni Münster der Deutschen Presse-Agentur. “Man kann ihn als einen christlichen Buddhisten bezeichnen.” Im Alter von 95 Jahren spielt Nhat Hanh in seiner Heimat Vietnam am Samstag (Ortszeit).

Die Bücher und Thesen von Nhat Hanh schlagen sich Schmidt-Leukel ebenfalls deutlich in Deutschland nieder. Viele seiner mehr als siebzig englischsprachigen Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden. Darin gebe er alltagstaugliche Empfehlungen zu Achtsamkeitsübungen. “Auch in Deutschland empfinden viele Menschen den Buddhismus, den Nhat Hanh lehrt, als eine im Alltag anwendbare Lebenshilfe.”

Zahlreiche Christen und Juden seien inzwischen vom Buddhismus inspiriert, ebenso viele Menschen ohne feste religiöse Bindung, die sich aber selbst als spirituell oder religiös empfänden. Der Buddhismus übe auch auf viele Intellektuelle einen besonderen Reiz aus. Laut Deutscher Buddhistischer Union gibt es bundesweit geschätzte etwa 130.000 deutsche und 120.000 asiatische Buddhisten. Aber: „Der Buddhismus ist in Deutschland einflussreicher als es die Zahl der registrierten Buddhisten breit gespiegelt“, erläutert Schmidt-Leukel.

Nhat Hanh sei auch ein “glaubwürdiger Friedensstifter” gewesen und interreligios aufgeschlossen. „Er lehnte das Christentum nicht ab, sondern würdigte es aus buddhistischer Sicht.“ Mehrfach habe er die Bedeutung von Christen und von Jesus Christus für sein eigenes Leben hervorgehoben, betonte der Professor für interkulturelle Theologie. Damit habe er “interessante Brücken” geschlagen.

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