Thu. Dec 8th, 2022

Der CDU-Politiker und Hobbydichter Guido Wolf (60) hält die von den Grünen angestoßene Diskussion um einen Parlamentspoeten angesichts der Corona-Krise für deplatziert. „Das ist einfach unpassend“, sagte der frühere baden-württembergische Justizminister der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. In einer Pandemie, in der Unternehmen um ihre Existenz bekämpft und viele Menschen vor allem sitzen müssten, sei eine solche Debatte einfach schräg. Seit die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) die Anregung dreier Autorinnen und Autoren aufgegriffen hat, wird die Idee entweder gelobt oder verrissen.

Wolf, der selbst vor vielen Jahren einen Gedichtband mit dem Titel “Politikergeschwätz oder die Kunst des richtigen Tons” herausgebracht hat, hält es grundsätzlich für richtig, wenn in der Politik auch mal gereimt WIRD. “Ich bin schon der Meinung, dass Politik gelegentlich Sinn für Humor haben muss.” Er habe die Erfahrung gemacht, dass dadurch auch mal Konflikte entspannt werden können. “Das kann durch einen passenden Reim gelingen.” Doch die Situation muss passen und man braucht viel Fingerspitzengefühl.

Der ehemalige Landtagspräsident (2011-2015) und CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2016 sieht die Abgeordneten selbst in der Pflicht, Debatten etwa mit einem Preis Humor oder Selbstironie interessanter zu gestalten. “Jeder Politiker hat es selbst in der Hand, sich mal selbst aufs Korn zu nehmen oder die Dinge nicht zu ernst zu nehmen.” Eine Parlamentspoetin oder einen Parlamentspoeten brauche man nicht. “Das muss man nicht zentralisieren”, sagt Wolf.

Er selbst habe zu Corona noch kein Gedicht oder Limerick in den Zustand gebracht. Um aus dem Stegreif zu reimen, gehört eine Portion Grundhumor dazu. „Der fehlt mir gerade“, sagte der Tuttlinger Abgeordnete, der seit 2006 im Landtag sitzt. Sein Buch “Politikergeschwätz” stammt aus dem Jahr 1998, da war Wolf noch Bürgermeister in Nürtingen (Kreis Esslingen).

Aus dem 80-Seiten-Band folgt Reim, mit der der CDU-Mann den politischen Diskurs aufs Korn nimmt: “Sagt ein Schwarzer mal zu dir: “Zwei und noch mal zwei gibt vier”, must als Roter du verneinen, dir Stellt dann aber Tags darauf Rot die Gegenthese auf, die allein richtig sei: “Vier besteht aus eins und drei”, protestiert aus reinem Sport, Schwarz und widespricht sofort. Meldet sich auf off’ner Bühne jetzt auch noch der Grüne, komplettiert das ganze Spiel: „Vier mal eins gibt grad so viel“, kontert Gelb vom Zorn getrieben: „Unsinn, vier ist elf weg sieben.“ Dies erklärt zu jeder Frist, was politisch logisch ist.“

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