Thu. Dec 8th, 2022

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert nach dem aufsehenerregenden Münchner Gutachten zu sexualer Gewalt mehr politische Einflussnahme bei der Aufarbeitung in der katholischen Kirche. „Ich glaube nicht mehr, dass die Kirche allein die Aufarbeitung schafft, sondern wir müssen uns der Frage stellen (…), ob es nicht ein besserer Weg wäre, wenn wir auf der politischen Seite im Sinne der Unabhängigkeit der Aufarbeitung mehr Einflussnahme hätten – beispielsweise über einen Ausschuss im Parlament, über eine Kommission, über eine Wahrheitskommission”, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp am Freitag im Inforadio des rbb.

„Es ist offensichtlich, dass auch im Jahr 2022 die bittere Realität heißt: Das System von Vertuschung, Vergessen und schneller Vergebung gegenüber den Tätern ist nicht aufgebrochen worden.“

Das vom Erzbistum München und Freising selbst im Auftrag gegebene Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) kommt zu dem Ergebnis, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden; es wirft den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Ratzinger konkret und persönlich Fehlverhalten in mehreren Fällen vor. Ratzinger streitet jedes Fehlverhalten ab.

Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus.

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